Die ÖGMBTJahrestagung findet heuer unter Einbindung der Schwesterorganisationen aus Kroatien, Slowenien und Tschechien statt. Das soll die internationale Sichtbarkeit der regionalen Expertise erhöhen.
Vom 14. bis einschließlich 17. September findet im Biology Building Vienna die heurige Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Molekulare Biowissenschaften und Biotechnologie (ÖGMBT) statt. Und die Vorbereitungen sind in vollem Gang, berichten die ÖGMBT-Vorstandsmitglieder Felix Sternberg und Matthias Steiger, die für die Organisation der Veranstaltung zuständig sind. Sternberg fungiert als Präsident der Tagung, die diesmal unter dem Motto „Stronger together“ steht. Erstmals findet diese als Kombination aus einem „FEMS Regional Meeting“ der Federation of European microbiological Societies (14. bis 15. September) und einem „FEBS3+ Meeting“ der Federation of European Biochemical Societies (15. bis 17. September) statt. Eingebunden sind daher die Schwesterorganisationen der ÖGMBT aus Kroatien, Slowenien und Tschechien. Laut Steiger besteht das Ziel darin, „die internationale Sichtbarkeit der Jahrestagung zu erhöhen und mehr Communities zusammenzubringen. Wissenschaft macht ja nicht an den Staatsgrenzen halt. Wir wollen regional stärker zusammenarbeiten und das durch die internationale Ausrichtung des Treffens zum Ausdruck ringen“. Sternberg zufolge besteht der Vorteil von „FEBS3+ Meetings“ nicht zuletzt darin, dass die FEBS die Teilnahme junger Wissenschaftler finanziell unterstützt, etwa durch die zumindest teilweise Übernahme von Reisekosten. Unterstützung kommt im Übrigen auch von der Universität Wien, die das Biology Building zu ermäßigten Konditionen zur Verfügung stellt. Laut Sternberg trägt die Unterstützung der Universität Wien wesentlich zur Realisierung der Tagung bei. Ohne derartige Hilfeleistungen, nicht zuletzt auch von Sponsoren aus der Wirtschaft sowie seitens der öffentlichen Hand, wären Meetings wissenschaftlicher Gesellschaften schlicht und einfach nicht realisierbar, betonen Sternberg und Steiger unisono. Ein besonderes Highlight der Jahrestagung ist die Verleihung der renommierten Life Sciences Awards Austria 2026.
Attraktiv für die Industrie
Die ÖGMBT-Jahrestagung wird von der Industrie sehr geschätzt. Sie gilt als ansprechende Möglichkeit, um mit Wissenschaftlern in Kontakt zu kommen. Auch heuer schnürte die ÖGMBT wiederum interessante Angebote für die Wirtschaft. Darunter ist das beliebte Format „Wine and Science“ sowie das Exhibitor Quiz. Besonders attraktiv ist die Teilnahme an der Jahrestagung für Sponsoren heuer, weil diese sowohl auf dem „FEMS Regional Meeting“ als auch auf dem „FEBS3+ Meeting“ vertreten sein können. Beim „FEMS Regional Meeting“ sind sie aktiv in das Programm eingebunden, beispielsweise im „Room of Industry“. Das Ausstellungs-Package beinhaltet auch die Registrierung zu den beiden Veranstaltungen.
Zusammenarbeit gefragt
Noch gearbeitet wird an den Programmen der beiden Treffen. Steiger zufolge hat das FEMS Regional Meeting einen besonderen Charakter, „weil es nicht nur um wissenschaftliche Inhalte geht, sondern auch um Zusammenarbeit mit der Industrie und den Funding Agencies“. Letzten Endes solle die Veranstaltung erleichtern, in der Folge erforderlichenfalls internationale Konsortien zu bilden. Dies gewinne nicht zuletzt im Rahmen der Forschungsförderung der EU immer mehr an Bedeutung: „Bei einschlägigen Programmen braucht man immer wieder rasch Partner aus mehreren Ländern, die nicht nur aus dem akademischen Bereich kommen dürfen. Wir brauchen daher Vernetzungsmöglichkeiten. Beim FEMS Regional Meeting möchten wir zeigen, wie man in einem ansprechenden Umfeld zusammenkommen und Projekte ausarbeiten kann.“ Daher werde das Meeting wesentlich durch einen gewissen „Workshopcharakter“ geprägt sein. Das Format wird dabei gezielt gemeinsam mit Expertinnen und Experten entwickelt und soll neue Formen der interdisziplinären Zusammenarbeit ermöglichen. Inhaltlich befasst sich das Meeting laut Steiger mit drei Hauptthemen: „Erstens ist das die Biotechnologie, zweitens die Medizinische Mikrobiologie, beispielsweise mit den Implikationen, die aus der Mikrobiomforschung kommen. Zu diesem Bereich gehört natürlich auch das große Thema der Antibiotikaresistenzen. Drittens geht es um Environmental Innovations, also die Umweltmikrobiologie: Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf Mikroorganismen im Boden, im Meer, in Gewässern? Abgedeckt wird laut Steiger eigentlich das gesamte Spektrum der Mikrobiologie, aber eben bezogen auf die drei genannten Säulen“. Potenzielle „Speaker“ aus der Region haben bereits ihr Interesse bekundet. Die fixen Zusagen werden Steiger zufolge in absehbarer Zeit erwartet.
„Klassischer“ ausgerichtet
Stärker in „klassischer“ Weise auf die Wissenschaft fokussiert ist das „FEBS3+ Meeting“, berichtet Sternberg. Dieses verfolgt einen „Bottom-up-Ansatz“, in dessen Rahmen im Vorfeld der Tagung allfällige besondere Interessen der „Community“ ausgelotet werden. Als diesjährige Schwerpunkte wurden Künstliche Intelligenz und Ageing festgelegt. Auch einige Vortragende stehen bereits fest, nämlich die Wittgensteinpreisträgerin des Jahres 2022, Christa Schleper, die durch ihre Arbeiten mit Urbakterien (Archaeen) Bekanntheit erlangte, die US-amerikanische Biochemikerin Judith Frydman vom Department of Biology der Stanford University, die sich unter anderem mit der Erforschung der Parkinson-Krankheit beschäftigt, der israelische Mikrobiomforscher Omry Koren von der Bar-Ilan University in Ramat Gan sowie der Zellbiologe Guido Kroemer von der Descartes-Universität in Paris, der sich auch als Ageing-Forscher einen Namen gemacht hat. Organisatorisch gesehen, wird das Meeting laut Sternberg „schlanker“ gehalten. Es gibt mehr und längere Pausen. Das war eines der wichtigsten Anliegen der Community. Die Leute wollen mehr Möglichkeit zum Austausch“. Ein zentrales Element der diesjährigen Tagung ist zudem die bewusste Verzahnung der beiden Meetings: Am zweiten Tag treffen die Communities gezielt aufeinander, unter anderem im Rahmen einer gemeinsamen Plenary, um den wissenschaftlichen Austausch weiter stärken. In die Jahrestagung eingebunden ist auch die Jungforscherorganisation der ÖGMBT, die YLSA (Young Life Scientists Austria). Hinsichtlich ihres Beitrags läuft Sternberg zufolge die Ideensammlung: „Voraussichtlich wird es einen oder zwei YLSA-Events geben.“ Insgesamt soll die Jahrestagung damit ein klares Signal für stärkere Vernetzung und Zusammenarbeit innerhalb der Life Sciences in Europa setzen, so Sternberg.
Chancen für den Nachwuchs
Großen Wert legt die ÖGMBT wie immer auf die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Für Bachelor- und Master Studierende, die Mitglieder der ÖGMBT sind, ist die Registrierung kostenfrei. Dies erleichtert ihnen, mit der etablierten Community in Verbindung zu kommen und – möglicherweise erstmals – „Konferenzluft“ zu schnuppern. PHD-Studierende wiederum profitieren von reduzierten Fees. Darüber hinaus bietet die ÖGMBT wie gewohnt Reisekostenzuschüsse für ihre eigenen jungen Mitglieder. Dies betrifft Kosten, die nicht vom jeweiligen Arbeit geber oder anderen Stellen übernommen
werden können.



