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Wir sind ab nun regelmäßig im CHEMIE REPORT mit einer ÖGMBT-Kolumne mit den neuesten Entwicklungen aus der österreichischen Life Science Szene vertreten. Wenn Sie einen interessanten Beitrag dazu leisten wollen, richten Sie Ihre Anfrage bitte an die Geschäftsstelle!

 

 

Die ÖGMBT vergab im Rahmen ihrer Jahrestagung Forschungs- und Dissertationspreise, die deutlich zeigen, welche Qualität die heimische Biowissenschaft auf weisen kann. Die thematische Palette reichte von der Befruchtung einer Eizelle über die Verarbeitung von Synthesegas bis zu CAR-T-Zellen. Bei allen Lebewesen mit sexueller Fortpflanzung ist die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle der entscheidende Schritt zu Entstehung eines genetisch neuen Organismus. Der Vorgang ist lange bekannt und unzählige Male im Mikroskop beobachtet worden. Betrachtet man die zugehörigen Mechanismen auf molekularer Ebene, sind jedoch noch viele Fragen offen. Einen wichtige Puzzlestein haben Victoria Deneke und das Team von Andrea Pauli am Institut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien hinzugefügt, wofür die Erstautorin mit dem Life Sciences Research Award in der Kategorie „Grundlagenforschung“ prämiert wurde. Sie entdeckten ein Trimer aus den in Spermien exprimierten Proteinen Izumo1, Spaca6, and Tmem81, das sowohl in Zebrafischen als auch beim Menschen an Proteine bindet, die an der Oberfläche von Eizellen ausgeprägt werden. Interessant war aber auch der Weg zu dieser Entdeckung: Das Team um Deneke führte als ersten Schritt ein In-silico-Screening mithilfe von AlphaFold durch. Dieses Werkzeug benützt tiefe neuronale Netze dazu, die dreidimensionale Proteinstruktur auf der Basis der Aminosäuresequenz vorhersagen (die Entwicklung wurde 2024 mit dem Nobelpreis…
Die Grazer Biotechnologin Aleksandra Fuchs befasst sich mit innovativen Technologien im Zusammenhang mit der Erzeugung von kultiviertem Fleisch. Ihre Arbeiten könnten auch für die Pharmaindustrie von Bedeutung sein. Die Herausforderung sollte wohl keineswegs unterschätzt werden: Bei Fortschreibung der derzeitigen Trends könnte sich der weltweite Bedarf an Fleisch bis zur Mitte des Jahrhunderts näherungsweise verdoppeln. Das Problem: Zwar stellt die Viehzucht etwa 37 Prozent der von der Menschheit benötigten Proteine bereit. Aber damit werden nur 18 Prozent der erforderlichen Kalorien abgedeckt. Und schon derzeit entfallen auf die Fleischproduktion nicht weniger als 17 Prozent sämtlicher Treibhausgasemissionen.Als wichtig für die künftige Ernährung der Menschheit gilt nicht zuletzt deshalb Kunstfleisch, sei es auf Basis tierischer Stammzellen, sei es auf pflanzlicher Grundlage. Seine Herstellung ist llerdings mit erheblichen Schwierigkeiten und Herausforderungen verbunden. Mit deren Überwindung befasst sich Aleksandra Fuchs, Wissenschaftlerin am Austrian Centre of Industrial Biotechnology (ACIB) mit Sitz an der Technischen Universität Graz. Zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit gehört, Zellkulturmedien für das Wachstum sowie die Proliferation der Stammzellen von Rindern, Schweinen und Schafen zu optimieren. Im Zuge ihrer Tätigkeit gelang es, der zu großen Abhängigkeit der Stammzellen-basierten Kunstfleischerzeugung von Albuminen maßgeblich entgegenzuwirken, die für die Kultivierung von Zellen in Kälberserum-freiem Nährmedium häufig verwendet und üblicherweise…
Der Workshop der Arbeitsgruppe „Zellbasierte Assays, Therapien und Produkte“ der ÖGMBT war auch diesmal ein voller Erfolg. Hochkarätige Vorträge zeigten ein breites Spektrum wesentlicher Themen, junge Forschende präsentierten eindrucksvolle Arbeiten. he Evolving Landscapes of Cell Culture: Advancing Technologies and Future Prospects“ war der Titel eines Workshops, den die Arbeitsgruppe „Zellbasierte Assays, Therapien und Produkte“ der Österreichischen Gesellschaft für Molekulare Biowissenschaften und Biotechnologie (ÖGMBT) kürzlich an der Universität für Bodenkultur in ien (BOKU) abhielt. Die Keynotes, Kurztalks, Posterflashes und Company Sessions behandelten ein bemerkenswert breites und tiefgreifendes wissenschaftliches pektrum. dieses umfasste zentrale Herausforderungen und Innovationen in der regenerativen Medizin, Zellkulturtechnik, Tumormodellierung und Translation in klinische Anwendungen. Die Beiträge zeigten eindrucksvoll, wie technologischer Fortschritt und biologisches Verständnis zusammenwirken, um präklinische Modelle zu verbessern, Zelltherapien sicherer zu machen und die Lücke zwischen Forschung und Anwendung zu schließen. Dominik Egger, Professor am Institut für Zellbiologie und Biophysik er Leibniz Universität Hannover (LUH), eröffnete die wissenschaftliche Diskussion mit einem fundamentalen Beitrag zur Rolle von Sauerstoffverfügbarkeit in der auf das mbryonale Bindegewebe bezogenen mesenchymalen Stammzellbiologie. In seiner Keynote beleuchtete er die Bedeutung hypoxischer Bedingungen in physiologischen 3D-Zellkultursystemen. Hypoxie (Sauerstoffmangel) beeinflusst maßgeblich zelluläre Prozesse wie metabolische Adaption, Genexpression und Differenzierung. Besonders relevant sind diese Bedingungen in der Isolation…
Sich gegen die klimawandelbedingte Ausbreitung von Infektionskrankheiten zu wappnen, ist dringend geboten. An einschlägigen internationalen Projekten sind Mitglieder der Österreichischen Gesellschaft für Molekulare Biowissenschaften und Biotechnologie (ÖGMBT) wesentlich beteiligt. Der kürzlich erschienene Zweite Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel (AAR2) lässt keinen Zweifel: Mit den tendenziell zunehmenden Temperaturen, Starkregenfällen sowie sonstigen Extremwetterereignissen sind rhebliche Gefahren für die Gesundheit der Bevölkerung verbunden. Das betrifft sowohl die Belastung durch häufigere und intensivere Hitzewellen als auch die Ausbreitung bisher nur in (sub-)tropischen Regionen beheimateter ücken- sowie Zeckenarten, die schwere Erkrankungen übertragen können. Als Beispiele nennt der AAR2 Aedes- und Anopheles-Mücken, Zecken der Gattung Hyalomma marginatum, aber auch Sandfliegen. „Diese Spezies sind otenzielle Vektoren für tropische sowie subtropische Krankheiten, die von Chikungunya-, Dengue- und Gelbfieberviren, Krim-Kongo-Hämmorhagisches-Fieber-Viren (CCHFV) sowie Leishmanioseparasiten übertragen werden“, heißt es n dem Bericht. Diesen Befund bestätigt auch Martin Jung, der Leiter der Competence Unit Molecular Diagnostics am AIT Austrian Institute of Technology. Er verweist auf eine Studie, die 2022 in Nature Climate Change veröffentlicht wurde, der zufolge fast sechzig Prozent aller Infektionskrankheiten durch den Klimawandel beeinflusst werden. Jung zufolge breiten sich die von Zecken übertragenen Krankheiten FSME und Borreliose gerade auch in Österreich unehmend aus. „Und mit dem Reisegeschehen kann jederzeit ein neues…