Die Mitgliedschaft der ÖGMBT in der International Union of Biochemistry and Molecular Biology (IUBMB) bietet eine breite Palette an Vorteilen – nicht zuletzt für den wissenschaftlichen Nachwuchs.
Letzten Endes war die Entscheidung für die weltweite Vernetzung klar: Mit großer Mehrheit stimmten die Mitglieder der Österreichischen Gesellschaft für Molekulare Biowissenschaften und Biotechnologie (ÖGMBT) bei ihrer jüngsten Jahrestagung dafür, der International Union of Biochemistry and Molecular Biology (IUBMB) beizutreten. Die 1955 gegründete Organisation mit Sitz in Amsterdam in den Niederlanden ist eine der wichtigsten internationalen Gesellschaften im Bereich Biowissenschaften und Biotechnologie. Zurzeit gehören ihr Einrichtungen aus etwa 80 Ländern in Europa, Afrika, Amerika und Asien an. Zu ihren wichtigsten Aufgaben zählt die Förderung einschlägiger Forschung und Aus- sowie Weiterbildung. Ausdrücklich betont die IUBMB auf ihrer Website ihr Anliegen, den wissenschaftlichen Nachwuchs in Weltgegenden wie Afrika zu unterstützen, „wo biomolekulare Wissenschaften weniger gut entwickelt sind“. Geleitet wird die IUBMB von bestens ausgewiesenen Fachleuten: Als Präsident fungiert noch bis zum kommenden Jahr der Franzose Dario Alessi von der Universität Dundee in Schottland, der das Medical Research Council (MRC) der britischen Regierung leitet. Seine designierte Nachfolgerin Sandhya Visweswariah ist Professorin am Indian Institute of Science in Bangalore und präsidierte zuvor unter anderem dem Department of Developmental Biology and Genetics der Indischen Akademie der Wissenschaften. Alessis Vorgängerin Alexandra Newton von der Universität San Diego im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien wiederum gilt als eine der weltweit führenden Spezialistinnen für Proteinkinasen. Generalsekretär der IUBMB ist – ebenfalls noch bis 2027 – als erster Afrikaner Mohamed Iqbal Parker, einer der Gründer der Academy of Science of South Africa (ASSAf).
Deutlicher „Added Value“
Delegierter der ÖGMBT bei der IUBMB ist Ludger Hengst vom Institut für Medizinische Biochemie der Medizinischen Universität Innsbruck. Ihm zufolge war Österreich lange Zeit ein „weißer Fleck“ auf der „Europa-Landkarte“ der IUBMB. Immer hin: Seit Frühjahr 2025 liefen im Vorstand der ÖGMBT, dem Hengst angehört, intensive Diskussionen über den Beitritt. Dem vergleichsweise bescheidenen Mitgliedsbeitrag von etwa 3.000 Euro pro Jahr steht Hengst zufolge eine Reihe von Vorteilen gegenüber. Beispielsweise finanziert die IUBMB eine breite Palette an Fellowships und Stipendien für junge Wissenschaftler und unterstützt sogenannte „fokussierte Meetings“ zu Spezialthemen, die bis zu drei Mal pro Jahr stattfinden. Durch den Beitritt zur IUBMB sind nun alle Mitglieder der ÖGMBT berechtigt, Förderanträge in den unterschiedlichsten Formaten bei der IUBMB einzureichen. Alle drei Jahre veranstaltet die IUBMB überdies ihren International Congress of Biochemistry and Molecular Biology. Für Jungwissenschaftler stellt sie „travel awards“ sowie ein dreitägiges Vorprogramm (Young Scientists Program, YSP) zur Verfügung. „Das ist schon ein deutlicher ‚Added Value‘ für die Mitglieder der ÖGMBT. Es deckt sich auch sehr gut mit unseren Bestrebungen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, dem wir attraktive Perspektiven eröffnen und internationale Vernetzungen ermöglichen möchten“, konstatiert Hengst. Nachsatz: Hilfreich sei die Unterstützung durch die IUBMB umso mehr in Zeiten knapper öffentlicher Budgets: „Wenn man beispielsweise ein fokussiertes Meeting zur Tumorimmunologie abhalten möchte und es über ein IUBMB-Programm co-finanziert bekommt, ist das natürlich eine große Erleichterung. Und es hilft, die österreichische Forschung international sichtbar zu machen, was immer mehr an Bedeutung gewinnt.“ Ferner besteht die Möglichkeit, die Teilnahme renommierter Fachleute aus dem Ausland an Kongressen finanzieren zu lassen. „Das wollen wir bei den kommenden ÖGMBT-Jahrestagungen nutzen“, berichtet Hengst.
„Trainee Initiative“ für Jungforscher
Eigens für Jungwissenschaftler etablierte die IUBMB vor vier Jahren ihre „Trainee Initiative“, berichtet Sophie Strich, Doktorandin an der Medizinischen Universität Innsbruck und dem Tiroler Krebsforschungsinstitut (TKFI). Sie ist im sogenannten „IUBMB Trainee Initiative Leadership Committee (FEBS Region)“ tätig. Strich zufolge handelt es sich dabei um eine Unterorganisation, „die von PhD-Studenten für PhD-Studenten aufgebaut wurde. In der Europa-Sektion organisieren wir unter anderem Webinare, die etwa alle zwei Monate stattfinden. Derzeit läuft eine Reihe zu Karrierewegen außerhalb des wissenschaftlichen Bereichs“. Überdies arbeitet Strich beim Newsletter der Trainee Initiative mit, in dessen Rahmen Mitglieder sich und ihre Arbeit präsentieren können: „Ich habe neulich mit Kollegen aus Uganda und aus Malaysia gesprochen. Es ist sehr interessant zu erfahren, mit welchen Problemen diese konfrontiert sind und wie die Forschung in anderen Ländern funktioniert.“ Als Mitglied der YLSA, der „Nachwuchsorganisation“ der ÖGMBT, organisiert Strich ferner einen Workshop der IUBMB bei der Life Sciences Career Fair der ÖGMBT am 13. Mai an der Hochschule Campus Wien. Der Schwerpunkt liegt ihr zufolge auf den Unterschieden bei Bewerbungen im akademischen sowie im nicht-akademischen Bereich. Nicht zuletzt war es übrigens Strich, die den Beitritt der ÖGMBT zur IUBMB mitinitiierte: Sie arbeitete 2024 für ein halbes Jahr im Labor der damaligen IUBMB-Präsidentin Alexandra Newton in San Diego: „Eines Tages hat mich Frau Newton gefragt, ob ich nicht Interesse hätte, mit anderen jungen Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten. Auf diese Weise bin ich zur IUBMB gekommen, und ich empfinde diese Erfahrung als sehr bereichernd, sowohl wissenschaftlich als auch persönlich.“ Finanziert werden die Aktivitäten der IUBMB zu einem erheblichen Teil über die Erträge der von ihr herausgegebenen Fachzeitschriften. Dazu gehören etwa die „Trends in Biochemical Sciences“ (TiBS), die auf rund 100.000 Leser verweisen kann, die „Applied Biochemistry“, die primär die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeiten veröffentlicht, sowie die auf Lehre und Ausbildung ausgerichtete „Biochemistry and Molecular Biology Education“. Zwecks internationaler Vernetzung kooperiert die IUBMB eng mit der Federation of Asian and Oceanian Biochemists and Molecular Biologists (FAOBMB), der Pan-American Association for Biochemistry and Molecular Biology (PABMB), der Federation of African Societies of Biochemistry and Molecular Biology (FASBMB) und nicht zuletzt mit der Federation of European Biochemical Societies (FEBS), der auch die ÖGMBT angehört. Auf den Kongressen dieser Einrichtungen ist die IUBMB üblicherweise mit eigenen „Plenary Lectures“ vertreten.
„Internationalisierte“ Jahrestagung
Abseits ihrer Aktivitäten in der IUBMB legt die ÖGMBT heuer einen speziellen Fokus auf internationale Zusammenarbeit. Dies zeigt sich auch im Zuge der Jahrestagung Mitte September. Sie wird heuer erstmals zum FEMS Regional Meeting (14. bis 15. September) sowie zum FEB3+ Meeting (15. bis 17. September) erweitert. Unter dem Motto „Life Sciences – Stronger Together!“ beteiligen sich daran wissenschaftliche Gesellschaften aus Slowenien, Kroatien und Tschechien.



