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Life Sciences for the Next Generation

on 27 March, 2017

Auf der diesjährigen ÖGMBT-Jahrestagung wurde nicht nur ein breites Spektrum wissenschaftlicher Themen behandelt, sondern auch in hochkarätiger Besetzung über die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Grundlagenforschung diskutiert.

Alljährlich ruft die Österreichische Gesellschaft für Molekulare Biowissenschaften und Biotechnologie (ÖGMBT) zur Jahrestagung und gibt damit den Blick auf die gesamte Breite der akademischen und industriellen Life Sciences in Österreich frei. In diesem Jahr traf sich die biowissenschaftliche Community von 12. bis 14. September in Graz. Bereits vor der offiziellen Eröffnung, am Vormittag des ersten Konferenztags, kam eine hochkarätige Runde zusammen, um auf dem Tagungspodium über die finanzielle Situation der Grundlagenforschung in Österreich zu diskutieren. Man sehe es auch als eine der Aufgaben der ÖGMBT an, sich für gedeihliche Rahmenbedingungen der Biowissenschaften einzusetzen, so Josef Glößl, Vizepräsident der Gesellschaft und Vorsitzender der Delegiertenversammlung des FWF in seinen einleitenden Worten:
„Dazu soll auch die als öffentliche Satellitenveranstaltung angelegte Podiumsdiskussion beitragen“. Glößl, im Hauptberuf Vizerektor der Universität für Bodenkultur, stellte der Debatte ein Zitat des Ökonomen Christian Keuschnigg voran: „Eine Hypothek auf die Zukunft sind auch unterlassene Investitionen des Staates in Bildung, Grundlagenforschung und neue technologische Infrastruktur.“ Der neue FWF-Präsident Klement Tockner nutzte die Gelegenheit, sich der biowissenschaftlichen Forscher-Community vorzustellen. Er wies darauf hin, dass eine von der öffentlichen Hand gut ausgestattete Grundlagenforschung für die Gesellschaft essenziell sei, weil nur so an langfristigen und risikoreichen Projekten gearbeitet und der Gesellschaft unabhängiges, evidenzbasiertes Wissen zur Verfügung gestellt werden könne. „Unabhängige, freie Wissenschaft ist ein Grundrecht jeder aufgeklärten Gesellschaft“, so Tockner in einem leidenschaftlichen Plädoyer. Oliver Vitouch, Präsident der Universitätenkonferenz Uniko, sprach die Bedeutung von Leuchtturm-Erkenntnissen in der Wissenschaft an. „Grundlagenforschung ist all das, wofür man einen Nobelpreis oder eine Fields-Medaille bekommen kann“, so Vitouch. Von den mit solchen Auszeichnungen verbundenen Reputationsgewinnen könne eine Forschungslandschaft ungewöhnlich lange zehren.


Gemeinsames Plädoyer für freie Forschung

Als Vertreter der ÖGMBT nahm deren Vizepräsident Lukas Huber, Professor für Zellbiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck, an der Podiumsdiskussion teil. Er stellte dar, dass universitätseigene Budgets viel zu gering seien, um Grundlagenforschung selbst finanzieren zu können. Man sei daher auf eingeworbene Drittmittel angewiesen. Angesichts einer Förderquote von 20 Prozent sei hier aber deutlich zu wenig Geld im System, gute Projekte erhielten keinen Zuschlag. Das ziehe eine Abwärtsspirale nach sich, da mangels Finanzierung auch das
Niveau der Forschung nicht gehalten werden könne. Besonders die Förderung von Exzellenz und die Schaffung von kritischer Masse in ausgewählten Schwerpunktbereichen seien angesichts dessen schwer möglich. Ellen Zechner, FWF-Vizepräsidentin und Professorin am Institut
für Molekulare Biowissenschaften der Uni Graz, begrüßte in ihrem Statement, dass die Mittelvergabe zu einem großen Teil hochkompetitiv stattfindet. Stehen aber zu wenige Mittel zur Verfügung, könne der wissenschaftliche Nachwuchs nicht an die international geltenden Standards wissenschaftlicher Arbeit herangeführt werden – was ein Desaster für das heimische Forschungssystem bedeuten würde. Barbara Weitgruber, Sektionschefin für wissenschaftliche Forschung und internationale Angelegenheiten im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, zeigte sich ganz auf Seite der Wissenschaften und ihrer Anliegen stehend. Bei Kulturleistungen, so Weitgruber, denke man in Österreich schnell an Kunst, man könne aber Erstaunen ernten, wenn man darauf hinweise, dass Grundlagenforschung hier ebenso dazuzurechnen sei. Es gehe darum, Wissenschaft auch in die breitere Öffentlichkeit hineinzutragen, um Verständnis zu wecken und in der Bevölkerung herrschenden Ängsten und Vorbehalten entgegenzutreten. Birgit Tauber, Bereichsleiterin Basisprogramme bei der FFG, zitierte eingangs Albert Einstein mit den Worten: „Wenn man die Forschung nur den Ingenieuren überlässt, hätte man perfekt funktionierende Petroleum-Lampen, aber keinen elektrischen Strom“ – nicht ohne zu ergänzen, dass die Arbeiten von Forschern wie Volta oder Ampere nicht ohne einen Ingenieur wie Werner von Siemens in praktisch umsetzbare Technologie transformiert worden wären. Es brauche also beides – Grundlagenforschung und Ingenieursleistung. Die FFG unterstützte den Zusammenhalt zwischen beiden Aspekten. Gemeinsamer Nenner der Diskutanten war demgemäß, sich für eine Kultur einzusetzen, in der wissenschaftlich erarbeitetes, evidenzbasiertes Wissen als Wert angesehen wird – und nicht bloß dann nach Forschung gerufen wird, wenn unternehmerische Zwecke oder aktuelle Unglücksereignisse nach schnellen
Antworten verlangen würden.


Spiegelbild der Grazer Forschungsschwerpunkte

Eingebettet war die Podiumsdiskussion in eine ÖGMBT-Tagung, die das ganze Spektrum biowissenschaftlicher Forschung vor Augen führte, dabei aber insbesondere die am Tagungsort Graz bearbeiteten wissenschaftlichen Schwerpunkte in den Mittelpunkt stellte: So konnten Jürgen Eckel (Düsseldorf ) als Plenarredner zum Themenkreis Lipid-Metabolismus, Satchin Panda (La Jolla) als Referent zur Thematik Alterung und Neurodegeneration und Tim Clausen (Wien) als Vortragender zur Enzymologie gewonnen werden. Christoph Högenauer (Graz) und Bob Hancock (Vancouver) hielten viel beachtete Präsentationen zu neuen Therapieoptionen bei Infektionserkrankungen. Diese Schwerpunkte spiegelten sich auch in der Vorstellung der Grazer Doktoratskollegs auf den Gebieten der molekularen Enzymologie, der metabolischen und kardiovaskulären Erkrankungen sowie der molekularen Grundlagen der Entzündung wider. Gleichzeitig boten – ganz dem Tagungsmotto „Life Sciences for the Next Generation“ entsprechend – die Vorträge der Jungwissenschaftler, die von beachtlicher inhaltlicher und rhetorischer
Qualität waren, eine Bühne für die nächste Generation in den Biowissenschaften. Im Zuge dessen stellte sich auch die Initiative „Young Life Scientists Austria“ innerhalb der ÖGMBT vor, die junge Biowissenschaftler in ganz Österreich miteinander vernetzt und auf diese abgestimmte Angebote entwickelt.

Original Kolumne 08/2016