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Wir sind ab nun regelmäßig im CHEMIE REPORT mit einer ÖGMBT-Kolumne mit den neuesten Entwicklungen aus der österreichischen Life Science Szene vertreten. Wenn Sie einen interessanten Beitrag dazu leisten wollen, richten Sie Ihre Anfrage bitte an die Geschäftsstelle!

 

 

Ă–sterreichische Anlaufstelle in China

on 27 June, 2016

Peter Schintlmeister (BMWFW) hat mit Anfang Mai die Leitung des „Office of Science and Technology Austria“ (OSTA) in Beijing übernommen.

Es ist nicht lange her, da verband man China hauptsächlich mit der Verlagerung von Produktionsstandorten in ein Land mit niedrigen Lohnkosten. Dieses Bild hat sich stark verändert. Industriebetriebe sehen heute vor allem den attraktiven Markt als Grund dafür an, sich im bevölkerungsreichsten Land der Welt zu engagieren. In vielen Fällen hat aber auch die Qualität von Wissenschaft und Technologie-Kompetenz an westliche Standards angeschlossen. „Die chinesische Grundlagenforschung hat punktuell die Weltspitze in ihrem jeweiligen Fach erreicht“, ist Peter Schintlmeisters Einschätzung. Schintlmeister, bisher Life-Sciences-Experte im Wirtschaftsministerium, hat mit Anfang Mai die Leitung des „Office of Science and Technology Austria“ (OSTA) in Beijing übernommen. Derartige Offices werden von der Republik Österreich in für den Technologietransfer besonders wichtigen Staaten (etwa den USA) betrieben. Das chinesische Büro wurde 2012 eröffnet, Schintlmeister war schon damals als stellvertretender Leiter mit an Bord. Nun ist er – vorerst für ein halbes Jahr – zum interimistischen Leiter der Einrichtung ernannt worden. Was für einzelne Spitzeninstitutionen der Fall ist, gilt aber noch lange nicht flächendeckend. „Die Wissenspyramide ist steil, der Brain Drain von Spitzenleuten groß“, analysiert Schintlmeister. Umgekehrt gelinge es aufgrund der Sprachbarriere nur selten, Spitzenforscher aus dem Ausland an chinesische Universitäten zu bringen. Leuchtturmeinrichtungen wie die Chinesische Akademie der Wissenschaften („die ist mit 48. 500 Forschern die größte Forschungseinrichtung der Welt “, so Schintlmeister) oder renommierte Universitäten wie die Tsinghua- oder die Fudan-Universität haben bereits ein internationales Netzwerk gespannt. Die entstehenden Brücken gehen aber über den akademischen Sektor hinaus, wie Schintlmeister erzählt: „Wir beobachten von Seiten österreichischer Unternehmen verstärkt Aktivitäten in Richtung China. Erst vor kurzem ist ein Projekt entstanden, bei dem österreichische Unternehmen mit chinesischen Universitäten auf dem Gebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin zusammenarbeiten.“


Länderübergreifender Brückenschlag


Genau solche länderübergreifenden Brücken zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sind das Ziel der Aktivitäten des Office of Science and Technology: „Wenn ein österreichisches Unternehmen aus einem bestimmten Forschungsfeld Kontakt zu einem chinesischen Institut sucht, können wir sagen, wer die richtigen Ansprechpartner sind“, erklärt Schintlmeister. Umgekehrt kann sich aber auch eine österreichische Uni auf der Suche nach passenden chinesischen Unternehmen an das Büro in Beijing wenden. Für Kontakte zwischen Unternehmen in beiden Ländern ist demgegenüber das Außenhandelscenter der Wirtschaftskammer zuständig. „Wenn jemand einen Kontakt zu einem ganz bestimmten Lehrstuhl sucht, können wir den innerhalb von 24 Stunden vermitteln. Je unspezifischer die Anfrage ist, desto mehr Aufwand ist damit verbunden“, erläutert Schintlmeister. Im OSTA seien Native Speaker angestellt, die eine solche Recherche durchführen können. Das Office, dem Schintlmeister vorsteht, wird von BMWFW, BMVIT und Außenministerium gemeinsam getragen. Die Mitarbeiter sind diplomatisch akkreditiert, um dem Projekt auch die erforderliche Legitimität in China zu verleihen. Mit den anderen österreichischen Einrichtungen in China, etwa der Botschaft oder dem Außenhandelscenter, besteht ein gutes Kooperationsverhältnis. Die Life Sciences sind in vielen Fällen Vorreiter bei der Etablierung von internationalen Beziehungen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. So wie die ÖGMBT eine Drehscheibe für den Austausch zwischen akademischer Forschung und industrieller Innovation innerhalb Österreichs darstellt, so wird das OSTA in Beijing eine Anlaufstelle österreichischer
Aktivitäten in China sein. Beispielsweise hat das BBMRI-ERIC (ein in Graz angesiedeltes Konsortium zum Aufbau einer europäischen Biobanken-Infrastruktur) eine Kooperation mit dem Shanghai Clinical Research Center, einer zentralen Ressourcenplattform für die Arzneimittelentwicklung in China, aufgebaut. „Das OSTA konnte hier seinen Teil zum Zustandekommen der Kooperation beitragen“, erzählt Schintlmeister.

Kulturelle Unterschiede


Aus seiner Erfahrung kann Schintlmeister auf einige Punkte aufmerksam machen, die bei einer Kooperation mit chinesischen Institutionen zu beachten sind: „Im Vorfeld einer Zusammenarbeit ist es wichtig, abzuklären, welche Möglichkeiten und Wünsche der Kooperationspartner tatsächlich hat.“ Der Experte rät dazu, bei Vereinbarungen sehr viel genauer achtzugeben, was schriftlich festgelegt wird, als bei anderen transnationalen Kooperationen. Vielfach wird in China großer Wert darauf gelegt, dass eine Technologiekompetenz durch entsprechende Patente gestützt wird. Zuweilen ist das Halten eines Patents dabei wichtiger als dessen Werthaltigkeit. „Angesichts der technologischen Probleme, vor denen China steht,
neigt man manchmal dazu, allzu simplen Lösungen Glauben zu schenken. Das ermöglicht ein Spielfeld für so manchen Scharlatan“, warnt Schintlmeister. Die ÖGMBT wird zukünftig regelmäßig über Neuigkeiten und Ausschreibungen für transnationale Kooperationen mit China berichten.

Original Kolumne 04/2016